Das Konzept von »Getröstet und geborgen«

Herr Mohr, Sie sind einer der Herausgeber von »Getröstet und geborgen«. Warum brauchen alte Menschen eine spezielle Bibel?
»Es wird weniger!«, resümieren alte Menschen. Sie stellen fest, dass im zunehmenden Alter mit nachlassenden Kräften der Lebensraum, die Gestaltungsmöglichkeiten und die Sozialkontakte geringer werden. Dieses »Weniger« bezieht sich sowohl auf die körperlichen Kräfte und Möglichkeiten als auch auf die geistigen Fähigkeiten.
Worte und Geschichten aus der Bibel gehören für viele ältere Menschen zum vertrauten Gut, das sie seit ihrer Kindheit begleitet hat. Auf sie wollen und sollen sie nicht verzichten müssen. Darüber hinaus finden sich in der Bibel tragfähige Worte von Trost und Geborgenheit, die alten Menschen – auch wenn sie weniger religiös geprägt sind – gut tun und hilfreich sind.
Manche alte Menschen sind nicht unbedingt in den biblischen Texten beheimatet, aber mit zunehmendem Alter bekommen solche Texte für sie eine größere Aktualität und Bedeutung. Auf diesem Hintergrund macht eine Bibelausgabe speziell für ältere Menschen Sinn und erfüllt einen wichtigen Zweck.

Herr Zeyher, Sie sind der andere Herausgeber. Was hat Sie auf die Idee gebracht, ergänzend zu dieser Bibelausgabe noch ein Begleitheft zu erstellen?
Die meisten Menschen der vierten Lebensphase sind aufgrund altersbedingter Einschränkungen oder einer dementiellen Erkrankung bei der Lektüre eines Buches auf Hilfe angewiesen. Sie brauchen Menschen, die ihnen das Buch in die Hand geben, es mit ihnen anschauen und gegebenenfalls ihnen die Texte vorlesen. Begleitung brauchen ältere Menschen auch für die Liedtexte und Bilder: Erst im erzählenden Betrachten wird das Bild lebendig. Und erst im Hören der Lieder, gelesen, vorgesungen oder auf einem Instrument vorgespielt, lässt es sich einstimmen in die vertrauten und altbekannten Melodien eines Chorals oder Volksliedes.
Auf diesem Hintergrund ist die Idee entstanden, parallel zu der Bibel für alte Menschen auch eine Handreichung zu konzipieren. Mitarbeitende, Angehörige, Seelsorgende, kurz: alle, die alte Menschen auf ihrem letzten Lebensweg zuhause oder in einer stationären Einrichtung der Altenhilfe begleiten, sollen mit diesem Heft eine Orientierungshilfe an die Hand bekommen, wie die Bibel in der Begegnung mit alten Menschen lebendig werden kann, und der Trost spürbar, der darinnen verborgen ist als ein Wort, das wir uns selbst nicht sagen können.




